Sonntag, 25. Mai 2014

Jahresjubiläum




Letztes Jahr im Mai habe ich durch einen glücklichen Zufall zum Ballett gefunden. Dabei habe ich nicht nur einen längst vergessenen Traum zum Leben erweckt, sondern auch eine lustige, bunte Tanztruppe und einen unverwechselbaren Lehrer gefunden, die mein Leben seither in einem ungeahnten Maß bereichern. Eine ganze Welt hat sich mir eröffnet, die umso interessanter, vielschichtiger und lebendiger wurde, je intensiver ich mich ihr gewidmet habe.

Ein Jahr, zwei zertanzte Paar Schläppchen und drei vollgeschriebene Skizzenhefte später hatte ich nun zusammen mit unserer Truppe meinen ersten Auftritt.

Die Intensität von Auftritten und vor allem den spannenden Weg dorthin habe ich schon oft im Orchester erlebt. Wie ein Musikstück mit jeder Probe an Tiefe und Gestalt gewinnt, wie die gemeinsam aufgebaute Energie sich immer mehr verdichtet, bis das Werk dann, vielleicht nie ganz fertig, der Öffentlichkeit gezeigt wird - dieser Prozess kann erkenntnisreich, beglückend, manchmal auch unvergesslich sein.

Diesmal war eines neu für mich, wie ich bei den Tanzproben bald gemerkt habe: Als Tänzer sind wir immer sichtbar. Anders als Orchestergeiger, die sich innerhalb eines großen Klangkörpers aufhalten, sind wir Tänzer auch in einer Gruppe als Einzelne klar wahrnehmbar. Es gibt kein Entkommen, keine Möglichkeit, sich notfalls zu verstecken. Und, mehr noch: Mit unserer physischen Präsenz zeigen wir nicht nur, wie wir tanzen, sondern auch, wie wir sind.

Ein aufregendes Vorhaben also, doch bevor ich mir Gedanken darüber machen konnte, ob ich mutig oder dreist, ganz okay oder lächerlich, eine Unterstützung oder Anlass zu zusätzlicher Nervosität bin, waren die drei Proben bereits vorbei.

Es war kein extrovertierter Tanz, den unser Lehrer für uns entworfen hatte. Statt schriller Effekte standen subtilere Elemente im Vordergrund - Musikalität, Phrasierung, dynamische Verortungen im Raum - eine Choreographie, die, wie er sagte, zu jeder und jedem Einzelnen von uns passen sollte und die uns genau damit zum Strahlen brachte.

Was habe ich also gezeigt? Lampenfieber; Konzentration; Begeisterung; meine Freude darüber, in dieser Truppe zu sein; die tänzerischen Qualitäten, die ich bisher gelernt - und noch nicht gelernt habe; und all das zusammen gebündelt zu dem beweglichen bunten Gebilde, das dieses Ballettjahr war. 

Es war toll, soviel ist klar.




Kommentare:

  1. Und es werden viele weitere tolle Jahre folgen! ♥

    AntwortenLöschen
  2. Wie aufregend! War es bei dir auch so, dass du alles vergisst, als der Zuschauerraum dunkel wurde? Ich gerate dann immer in einen anderen Zustand. Kennst du das?

    AntwortenLöschen
  3. Ich möchte in eure gruppe kommen und mitmachen! Hier gibt es sowas nicht!! Ausserdem komme ich zu gar nichts mehr zu viel Arbeit. War es in einem echten Theater? Und gibt es einen Film??

    AntwortenLöschen
  4. Oh schade, ich würde auch gern einen Film sehen! :-) Ich liebe Auftritte, ich finde, man lernt dabei am meisten, bzw. es ist immer eine sehr spezielle Atmosphäre. Wie du ja auch schreibst. Ich habe dabei immer sooo viel gelernt. Aber ich bin auch eine echte Rampensau! :-)

    AntwortenLöschen
  5. @Andreas - und für dich auch! ♥

    @Marius - nicht ganz... War schon sehr aufgeregt... Doch dann war plötzlich alles ganz schnell vorbei!

    @Gregori: Ja, es war in einem - kleinen - Theater. Es gibt einen Film, aber daran wird noch gearbeitet. Weiß nicht, ob ich dann davon was hochladen kann... Hoffentlich hast du bald wieder weniger Stress, so dass du wieder zum Tanzen kommst! :-)

    AntwortenLöschen
  6. Wie genial etwas zu verwirklichen, was schon immer ein Traum für eine wahr.
    Beste Grüße
    Oona

    AntwortenLöschen
  7. @Oona - und wie schön, dass es für so viele Dinge nie zu spät ist! Sonnige Grüße aus Berlin. :-)

    AntwortenLöschen