Freitag, 18. April 2014

Schöne Augen




Wie ich sie liebe, die südliche Landschaft. Die sanften Hügel und Weinberge, die weiche Luft, die Frühlingsdüfte, die einem zart entgegenwehen, die versteckten, verwinkelten Wege und dann der freie Blick, der sich einem plötzlich darbietet - all das verleiht den Gedanken neue Weite und hüllt die Seele in ein luftig-leichtes und zugleich schützendes Gewand.

Als wir oben auf einem der vielen Hügel rund um die Stuttgart angekommen sind, muss ich an eine Szene aus Louis Malles Spielfilm Milou en mai (Eine Komödie im Mai) denken. Der lebensfrohe Milou und eine lebhafte, rothaarige Frau in langen bunten Kleidern gehen in einer wunderschönen südfranzösischen Landschaft spazieren. Als sich ihnen eine besonders pittoreske Aussicht präsentiert, sagt Milou zu ihr: "Schau genau hin. Man bekommt schöne Augen, wenn man schöne Dinge sieht". 

Ich mag den Satz, vielleicht, weil ich bisher davon ausgegangen bin, dass es umgekehrt ist. Eigentlich denke ich, dass die Schönheit der Dinge erst durch die Betrachterin entsteht, durch die Fähigkeit, sie wahrzunehmen, oder durch einen liebevollen Blick auf die Welt. Doch wer im Süden lebt, weiß es besser. Er kann es, wie Milou, jeden Tag neu erleben: Die Schönheit, die uns umgibt, existiert unabhängig von uns, sie ist als Erste da. Sie ist diejenige, die uns verändert. Sie kommt uns entgegen wie ein Geschenk.

Und so brauchen wir nichts weiter zu tun. Wir bleiben einfach nur stehen, schauen, und genießen, wie sie uns schöne Augen macht.




Kommentare:

  1. Wie schön du schreiben kannst! Vielleicht ist Stuttgart ja eine Alternative zu Berlin, wenn's bei mir weiterhin mit der Jobsuche dort nicht klappt. Bin ja auch Tänzer...

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  2. "wie sie uns schöne Augen macht" - das ist schön!!! Dieser Post regt mich dazu an, mich achtsamer den Dingen zuzuwenden, für die ich Dankbarkeit empfinde, statt immer auf das Negative fixiert zu sein. Da gibt es ja leider genug... Ich bin keine Tänzerin, sondern Yogini (habe deinen Blog gefunden, weil ich nach "Hanumanasana" gesucht hatte), kann hier aber vieles wiederfinden, das ich bereichernd finde. Namaté und schöne Ostern! Gabi

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