Mittwoch, 8. Januar 2014

Die Ordnung der Welt


Romany Pajdak
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Als Ballett entstanden ist, war die Bühne noch ein Quadrat.

Innerhalb dieses Quadrats wurden zur Orientierung acht Positionen entwickelt, die die Bewegungsrichtung anzeigen und den Tänzern Anhaltspunkte geben für die Choreographie. Zur Übung lassen sich diese auch als fließende Abfolge tanzen.

Und dies ist am Anfang ganz schön tricky, wieder eine neue Aufgabe für Koordination, Phrasierung und Gedächtnis. Denn dabei geht es nicht nur um die Unterscheidung von vorn, hinten und zur Seite, sondern um die Platzierung von Torso, Armen und Beinen: So ist zum Beispiel ein croisé in vier Richtungen tanzbar. Und natürlich werden die Positionen auch spiegelbildlich auf der linken Seite getanzt. 

Doch zum Glück gibt es ja Lehrvideos. Als Vorbild habe ich die wunderschöne Romany Pajdak vom Royal Ballet London gewählt.




Hilfreich ist jedoch noch etwas anderes. Jede der Positionen hat nämlich in meinen Augen einen ganz eigenen Charakter und erzeugt ein jeweils anderes Körpergefühl. Während sich beispielsweise das croisé ganz selbstverständlich einfügt und damit beinahe konventionell anmutet, scheint im effacé eine zeitlose Eleganz zu liegen; das écarté hingegen hat eine ungewöhnliche, queere Wirkung. Indem ich mir diese Empfindungen einpräge, so hoffe ich, werden die Positionen irgendwann abrufbar sein und sich mühelos in den Tanz integrieren.

Es gefällt mir, mich in diesem quadratischen Raum aufzuhalten und ihn weiter zu erforschen.

Denn dieses Quadrat, das die Welt bedeutet, ist ein ganzes Universum - eines, das einer sinnvollen, vernünftigen Ordnung folgt. In diesem Gefüge hat alles eine Bedeutung, und jeder Bewegung liegt eine Absicht zugrunde, die dem harmonischen Gesamtbild dient.

Und so schafft die Ballettbühne ein zuversichtliches Lebensgefühl und ein heiteres Gemüt. Balletttänzer erwecken eine Welt zum Leben, in der jeder seinen Platz hat und in der niemand verloren gehen kann. Und von dort beginnend entwickelt sich ein freier Raum unendlicher Möglichkeiten.


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Kommentare:

  1. toll, danke das wird mir helfen. Ich verstehe es gar nicht mehr wenn es links herum geht mit dem anderen Bein nach vorn aber es sieht so einfach aus.

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  2. Ich hab jetzt versucht das nachzumachen, aber ich verstehe das mit dem übergang zum ecartée nicht - ??? Muss heute abend mal meinen Lherer fragen.

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  3. @AnneS, so ist es ! :-) Ach, ich vermisse das Tanzen, SO SEHR. Ich fühle mich schon ganz herausgefallen aus der Welt.

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  4. @Gregori, der Trick ist, dass du beim Übergang vom "en face" zum "écarté" das Standbein wieder zurückdrehst, während das Spielbein und der Blick schon in die andere Richtung gehen (und du den anderen Arm nach oben nimmst). Daher das "queere" Gefühl... Alles klar? :-)

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  5. @Andreas, wenn du wieder zurück bist, wird es noch schöner und intensiver für dich sein. Keep cool.

    @AnneS, ohja, Ballett ordnet den Geist, ohne mein Training wäre das Lebensgefühl noch chaotischer, als es sowieso schon ist. :-)

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  6. PS. Und von dort ausgehend kann man dann tolle kreative Sachen machen. :-))

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  7. @Bernhard, stimmt, Ballett ist einfach ein gute gute Grundlage für alles mögliche andere, was darauf erwachsen kann...

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