Dienstag, 14. Januar 2014

Den Kopf hängen lassen


Edgar Degas: Zwei Tänzerinnen
I do not own this foto

Ach, lass den Kopf nicht hängen, sage ich mir, während ich von der Arbeit zu meinem Tanzstudio radle, in der Hoffnung, dass ich dort auf neue Gedanken kommen werde.

Und wie schon oft passiert genau das. Denn beim Ballett lassen wir oft und mit Absicht den Kopf hängen. Die Übung heißt cambré en avant (Vorbeuge). Mein neuer Ballettlehrer lässt diese gern als fließende Bewegung tanzen, am liebsten im Kreis, so dass man den Kopf und den Oberkörper nacheinander in alle Richtungen hängen lassen oder zumindest neigen kann.

Im Einklang mit der Musik und dem Atem ist dies ein wunderschöner Bewegungsablauf, denn er ist weich und elegisch und verleiht ein wohliges Gefühl im Rücken. Ich liebe die cambrés en rond, doch noch besser ist die Bewegung nach vorn, an deren Ende man einen Moment lang loslässt und entspannt, ohne Anspruch oder Erwartung, und ohne gleich das nächste Ziel im Auge zu haben. 

cambré vor und zurück
Quelle: www.ericanatal.blogspot.de

Vielleicht, so frage ich mich, ist es manchmal gar nicht so schlecht, sich kopfüber in diesen Zustand zu begeben? Sich einmal nicht aufzurichten mit neuen Ideen, Möglichkeiten und Plänen - denn diese zu entwickeln, erfordert nur erneute Anstrengungen. Wer den Kopf hängen lässt, macht Pause von alledem. 

Mein Ballettlehrer lässt uns die cambrés so oft wie möglich tanzen. Sie beleben den Torso, von dem letztlich die Energie ausgeht, sagt er. Das klingt gut, finde ich.


cambré vor
Foto: Andrej Uspenski

Kommentare:

  1. Selbst wenn du den Kopf hängen lässt, bist du elegant! :-) Es ist so schön zu lesen, wie du Tanz und Leben verbindest. Ermutigend, auch in einem kopfüber-Zustand. :-) Take care.

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  2. Beim Yoga ist es auch so, wenn man den Kopf hängen lässt, entspannt man sich. Gute Idee, das Sprachbild einmal anders zu sehen! Mach ne Pause! :-)

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