Samstag, 14. Dezember 2013

Gegenenergien



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Ich muss mir eine Strategie einfallen lassen, dachte ich gestern wieder auf der Arbeit, und nachdem ich abends Tanzen war, wusste ich, was zu tun ist.

Eine der Tanztechniken, mit denen wir uns gerade beschäftigen, ist der Einsatz von Energie und Gegenenergie. Dabei wird jede Bewegung von einer Energie in die entsprechende Gegenrichtung begleitet.

Wenn ich zum Beispiel für eine Balance nach oben gehe, bewegt sich die Energie zugleich nach unten. Ebenso stelle ich mir bei der Aufwärtsbewegung einer Pirouette vor, wie ich mich nach unten in den Boden schraube. Gehe ich dagegen in die Knie, spüre ich zugleich einen Zug nach oben. Das Gleiche passiert bei Schritten nach rechts, links, vor, zurück und so weiter.

Die Vorstellung gegenläufiger Energien gibt Halt bei Balancen und Gleichgewicht bei Drehungen, verleiht ein Gefühl von Leichtigkeit bei Sprüngen und lässt einen weichen und harmonischen Tanzfluss entstehen.

An meiner Arbeitsstelle geht sämtliche Energie nach oben: Geistige Aktivität, erhöhtes Tempo, unvermittelte Richtungswechsel, Sprünge verschiedenster Art... - all dies würde mich schon bald aus der Achse werfen, wenn ich nicht eine solide, entsprechend starke Gegenenergie zum Einsatz bringen würde.

Diese baue ich jetzt immer folgendermaßen auf: Ich stelle mir vor, wie ich nach und nach um ein Vielfaches größer, schwerer und dickhäutiger werde, bis ich mich in einen riesenhaften Wasserkoloss verwandelt habe.

Meine Umgebung ist warm und gemütlich, und mein Lebensgefühl ist geprägt von Wohlbehagen und Ruhe. Als Pflanzenfresserin kann ich mir das Jagen sparen; lieber gehe ich ungestört grasen. Ansonsten verbringe ich den Großteil des Tages in heimelig-seichten Gewässern. Ich muss ja nur knapp über der Wasseroberfläche auftauchen, um atmen, sehen, riechen und hören zu können. Mehr brauche ich nicht, um zufrieden zu sein.

Es wundert nicht, dass eine wie ich in der modernen Welt zu den bedrohten Arten gehört. Doch schaut uns an mit unserer Langsamkeit, unserer Genussfähigkeit, unserem schwergewichtigen Widerstand gegen all die überflüssige Betriebsamkeit - es ist so wichtig, dass es uns gibt.


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Kommentare:

  1. Erstaunlich, was man mit Tanzen alles machen kann, oder? Ich wünsche dir viel Erfolg mit deiner neuen Strategie!

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  2. PS. Wenn allerdings der Stress bei deinem Job proportional ist zum Gewicht eines Nilpferds, musst du da weg. ;-)

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  3. Oder du nutzt den Job als Sprungbrett, von wegen Gegenenergien! ;-)

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  4. @Alexander - alles mit der Ruhe! ;-)))

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  5. Wieder ein Vergnügen, deine Texte zu lesen - der Scharfsinn, Witz und die Leichtigkeit machen mir jedes Mal Freude. Deine Sprache tanzt. :-)
    Viele Grüße aus dem Norden, wo du in Ruhe grasen könntest, wenn du mal zu besuch kommst.

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