Freitag, 10. Mai 2013

Radelnd durch Lavendelfelder - Südliche Träume


Landshut, Ladenterrasse

Da ist sie wieder, meine Lieblings-Phtantasie. Sie lässt sich nicht vertreiben, ganz gleich, wie viel Reiseerfahrung ich haben mag. Es ist Frühling, ich bin in Bayern auf dem Land, und schon ist sie wieder da. Sie geht so:

Ich fahre mit dem Fahrrad einen Feldweg entlang, durch sanfte grüne Hügel, in einem wehenden, leichten Sommerkleid. Das Fahrrad hat vorn einen Korb. Im Korb befindet sich frisches Gemüse vom Markt. Es ist ein warmer Tag im Mai - eigentlich ist immer Mai, vielleicht auch Spätsommer. Ich habe den ganzen Tag nichts weiter zu tun, als ein ausladendes Abendessen vorzubereiten. Dann sitzen wir mit unseren Freunden fröhlich und entspannt im Garten - Grillen zirpen, Flaschenkorken ploppen, und alles duftet nach frischen Kräutern und Lavendel. Wie in einem französischen Film.






bei Mittenwald

Das alles ist nur im Süden vorstellbar, Himmelsrichtung der Sehnsucht und des ewigen Glücks.

Die Realität habe ich anders erlebt. In meiner Zeit in Frankreich habe ich weit weniger "liberté toujours" kennengelernt, als das Klischee besagt. Gerade der lebensfrohe Süden kann in manchen Gegenden verschlossen und konservativ sein - in Südfrankreich ebenso wie in diesem ganz eigenen Land namens Bayern. Die traumhafte Umgebung geht nicht für jeden einher mit einem lebbaren Alltag, vor allem dann, wenn man von woanders kommt und einem vieles unverständlich bleibt. 






bei Mittenwald

Und dennoch lassen sich meine Erfahrungen bereitwillig austricksen von einem unwiderstehlichen inneren Impuls, der die Schönheit der Landschaft mit der Vorstellung von einem paradiesischen Zustand verbindet. Ich bin nicht die Erste, die so empfindet - "der Süden" war schon immer ein Mythos in Malerei und Literatur.

Und das mit Grund: Es ist wirklich wunderschön hier. Man kann frei atmen, und dank der frischen Luft schmeckt das Essen ganz ohne Gewürze. Die Augen können frei umherschweifen und genießen. Das südliche Licht lässt die Natur weich, warm und heiter erscheinen. Alles strahlt Fülle und Lebensfreude aus. Die bayerische Landschaft ist selbstbewusst und großzügig und zeigt, was sie hat. Kurz: sie macht glücklich.


Mittenwald, am Fuß des Karvendel-Gebirges

Somit liegt in meinen südlichen Träumen durchaus eine klare Aussage. Ich will an einem Ort leben, an dem ich atmen kann - dazu gehört ein freier Geist ebenso wie ein weiter Himmel. Da ich nicht die fahrradfahrende Upper-Class-Lady aus der Provence bin, muss eine Arbeit her. Darin bin ich ebenso beharrlich wie meine Lieblings-Phantasie.

Und dann wird nur noch geradelt und auf dem Markt eingekauft. Mit einem großen Korb. Wie im Film.



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