Dienstag, 1. Januar 2013

Get up to heaven





An den Eingängen der Londoner U-Bahn stehen manchmal auch Straßenprediger. Sie halten fulminante Reden und drehen dabei ihre Stimme bis zum Anschlag auf. Wer einfach vorbeiläuft, der ist für immer verloren. Bleibt man jedoch stehen und hört zu, prasseln heftige Ermahnungen auf einen herab, ab und zu unterbrochen von Ausrufen wie: Gott liebt dich!!! Nun, ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Liebe erwidern will, die mir auf diesem Weg zugetragen wird. 

In der Nähe der Tube Station Camden Town steht ein Mann, der gar nichts sagt. In seiner Hand hält er einen Ast, den er vermutlich irgendwo im Park aufgesammelt hat. In der Mitte des Astes ist eine leuchtende Fahrradlampe befestigt, ganz oben klebt ein kleiner Karton, auf dem Jesus steht. Der Mann nimmt seine Sache sehr ernst, und er hat einen stillen und eigenwilligen Ausdruck dafür gefunden. Wer stellt sich schon stundenlang auf die Straße mit einem Schild, auf dem ein einziges Wort steht? Aber vielleicht ist Jesus ja auch Aussage genug. 

Wie dem auch sei, er ist der Einzige im hektischen Getümmel, den ich nach dem Weg fragen möchte. "Einmal nach rechts und dann ein Stück bergauf", sagt er. Dann grinst er und fügt hinzu: "Get up to heaven!" 

Ich liebe den englischen Humor. Mit einem Augenzwinkern kommt er daher und überrascht einen in völlig unerwarteten Situationen. Der Alltag ist voll mit solchen Momenten, und man verbringt den Rest des Tages mit einem Lächeln. 

Ich wünsche allen ein entspanntes und heiteres 2013.


Kommentare:

  1. Was für eine schöne Geschichte.
    "Jesus loves you" sang vor vielen Jahren Whitney Housten in dem Film "The Bodyguard".
    Und warum auch immer fühle ich mich angesprochen, wenn ich das Lied auf der Film-CD höre.
    Früher waren Jesus und ich ganz dicke Freunde. Aber wie das im Leben so ist:
    Manchmal gehen gute Freunde im Laufe des Lebens getrennte Wege, weil sie sich verändern. Das wird bei uns sicherlich mein Part gewesen sein.

    Trotz allem rührt mich so ein stilles "Zeichen" in Strom des Alltages an.

    Grüße
    Oona

    heute eher Kumpeline von Buddha :O)

    AntwortenLöschen
  2. Schön beschrieben hast du das Phänomen der Straßenprediger. Denke an Stratford .....
    Dir auch ein wunderbares Jahr 2013!
    Viele Grüße aus dem heute Nieselregnerischen Norden.

    AntwortenLöschen