Freitag, 28. Dezember 2012

The Evening Standard




Oxford Street

Am Eingang der Londoner Tube werden täglich free newspapers verteilt. Morgens gibt es die Metro, abends den Evening Standard. Mittwochs gibt es im Wechsel das Kinomagazin ShortList und ein Modeblatt, dessen Namen ich vergessen habe. Und dann gibt es noch City A.M., das vom Wirtschaftsgeschehen berichtet und nur von Insidern verstanden wird. 




Der Evening Standard ist die Belohnung für einen langen Tag. Er ist unterhaltsam zu lesen und perfekt auf die Dauer einer U-Bahn-Fahrt abgestimmt. Danach lassen ihn die meisten Fahrgäste auf den Sitzplätzen liegen, da es im Underground keine Mülleimer gibt. Vielleicht freut sich ja der nächste darüber. 

Im Zeitalter von Smartphones und Internet ist eine Papierzeitung wie der Evening Standard schon fast überholt, und ökologisch ist er natürlich auch nicht. Aber jeder liest ihn. Und ich muss zugeben: Ich liebe den Evening Standard.





Vielleicht, weil er Erinnerungen wachruft. 

Ich erinnere mich, wie wir am Tag des Mauerfalls durch die Straßen von Berlin liefen. Überall standen Zeitungsverkäufer und riefen: Extrablatt! Extrablatt!  - ein Bild, wie man es heute nur noch in alten Filmen zu sehen bekommt. Das Pflaster unter unseren Füßen bebte, wir erlebten einen historischen Moment. Ich kaufte mir eine taz, die ich bedauerlicherweise nicht aufbewahrt habe. 

Der Evening Standard, so scheint mir, ist auch ein Extrablatt. Eilig gedruckt, um schnellstmöglich unter die Leute gebracht zu werden, informiert er über Ereignisse, von denen jeder sofort erfahren sollte. Er ist so wichtig, dass er kostenlos verteilt wird. Wer den Evening Standard liest, der gehört dazu - der ist Teil des Weltgeschehens. 




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