Freitag, 21. Dezember 2012

Jour de soleil




Das Pariser Licht ist unvergleichlich, auch an diesem Tag, mitten im Dezember. Das Licht fällt auf die Häuserfassaden, die Brücken, das Wasser, und verleiht der alten, geschichtsbeladenen Stadt eine frühlingshafte Leichtigkeit.




In einer Erzählung von Maupassant las ich einmal von einem Sommertag qui allume les yeux - "der die Augen entfacht" oder "zum Leuchten bringt", auf eine beglückende Art und Weise. So schlendere ich im Dezemberlicht durch die Stadt, mit entflammtem Blick, und erfreue mich an der Architektur. Ich stelle mir vor, wie es wäre, in einem der Häuser zu wohnen, morgens die Fenster zu öffnen und auf den Balkon hinauszutreten.








Nur eines erstaunt mich, während ich die Menschen in den Straßen sehe, ihrer Sprachmelodie lausche, mich anstecken lasse von ihrer spielerischen Heiterkeit.

In Paris kleiden sich alle schwarz. Wie kann das sein?, frage ich mich. Paris ist doch, wie London, eine Modemetropole! Die Jahreszeit ist sicher nicht der Grund...

Doch jede Stadt hat ihren eigenen Klang, ihre eigene Dynamik. Ich denke an die Backsteinbauten des alten London, deren Düsterkeit die Bewohner zu einer Antwort geradezu herausfordert. Farbenfroh, extrovertiert und konstrastreich präsentieren sich die Londoner auf dem dunklen Schauplatz ihrer Stadt. Jeder ist einmalig. Jeder ist ein Blickfang. 

Das Pariser Schwarz macht alle Menschen gleich: Wie flüchtige Pinselstriche bewegen sie sich auf zarten Farbflächen, umgeben von flirrendem Licht. Und wie sich voneinander unterscheiden, ist für das Bild nicht wichtig...

Möglicherweise ist auch dies eine Antwort der Stadtbewohner. Ihre Kleidung mag eine Form höflicher Zurückhaltung sein, ein unauffälliges Sich-Einfügen, um der Schönheit ihrer Stadt Ehre zu erweisen. Denn Paris kann man nichts mehr hinzufügen. 



Kommentare:

  1. Danke für diesen Post. Wenn ich das hier Schreiben darf: ich mag Deine Wortwahl und Deinen Schwung in der Schreibe.
    Dazu diese wunderschönen Bilder der Gebäude in Paris.
    Eine interessante Feststellung, dass die Kleidung der Menschen eine Antwort ist auf die Umgebung in der sie leben.

    Grüße nach Paris
    Oona

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  2. Liebe Oona, danke für das Kompliment. Ich habe den Blog erst vor kurzem begonnen und wusste gar nicht, dass das so viel Spaß macht! :-)

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  3. Bevor du dich versiehst, kannst und willst du nicht mehr aufhören. Ich freue mich auf jeden deiner kleinen Texte mit dem poetischen Flair deiner Beobachtungen. Die Pariser Architektur erinnert mich an Berlin, obwohl das wahrscheinlich ein unpassender Vergleich ist. Oder was sagt die Stadtexpertin mit dem scharfen Auge?

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  4. @Lovelydays - oh nein, die Pariser Architektur ist viel leichter und feiner als die in Berlin, auch die Balkone und Gitter vor den Fenstern sind ganz anders. Einfach wunderschön.

    Dir auch ein glückliches 2013! :-)

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