Mittwoch, 10. Oktober 2012

It doesn't have to match - London's Fashion Secrets


Hutladen, Kingley's Court
Auf dem Weg in die berühmte Portobello Road lande ich in einem kleinen Laden, der lustige Ringe verkauft. Ich probiere einen von ihnen an - eine große, weiße Schleife aus Plastik. Überlege einen Moment und sage: "Hm, der passt zu Schuhen, die ich zu Hause habe". Die Verkäuferin guckt überrascht und erwidert: "But it doesn't have to match!" Ich bin auch überrascht, so sehr, dass sie mich sofort überzeugt hat. 

Diese und ähnliche Aussagen bekomme ich beim Shoppen in London immer wieder zu hören. "It makes a difference!" - zu einem ungewöhnlichen hellblauen Fifties-Kleid mit weißen Punkten, "It's a statement!" zu einem großen roten Schmuckstück, dass meinem Outfit so gar nicht zu entsprechen scheint, und als ich mit einem merkwürdigen T-Shirt kämpfe, das nur einen langen Ärmel hat: "Wenn es sich seltsam anfühlt, dann ist es genau richtig!"


"It doesn't have to match" - indeed, denke ich später: Denn ist es nicht genau das – das scheinbare Nicht-Passen – das die Kunst, die Literatur, die Musik immer wieder auf's Neue vorangebracht hat? Das, was ungeahnte Assoziationen hervorruft, Sehgewohnheiten durchbricht, zu neuen Gedanken provoziert? Vielleicht ist dies nicht nur modern, irgendwie queer und funky, sondern auch notwendig

In London habe ich gelernt, dass man rote Haare problemlos mit einer orangenen Bluse und einer pinkenen Jacke als Highlight kombinieren kann. Oder eine hellblaue Cordhose mit grünen Socken. Und es sind nicht nur die Farben, die hier nach ungewöhnlicher Gesellschaft suchen. Auch Stoffe, Muster, Stilrichtungen finden sich zu einem lebendigen Mix zusammen: Bunte Strickjacken zu Blumenkleidern, Wollpullover zu langen Plisséröcken aus Polyester, Rautenmuster zu Quadraten, dazu ein goldener Gürtel. Ach, und natürlich Kopfschmuck und Regenschirme in allen Farben.

Accessoire zur Arbeitskleidung
Doch dieser Eklektizismus wirkt nie beliebig oder gar nachlässig, im Gegenteil: Er hat System - eines, das ich noch nicht ganz erfasst habe. Das aber toll aussieht. 

Irgendwann lande ich in einem Strumpfhosenladen. Ich habe Zeit, in aller Ruhe die phantaisevollen Muster und Farbkombinationen in den Auslagen zu bewundern. Am Ende entscheide ich mich für eine ganz einfache, schwarze Seidenstrumpfhose und gehe damit zur Kasse. Die Verkäuferin guckt mich enttäuscht an und sagt: "No fun?" 

Auf dem Heimweg denke ich: Für Italienerinnen mag Mode Eleganz ausdrücken, für Französinnen Perfektion, für Deutsche Pragmatismus; für die Londonerin ist sie in erster Linie eins: Fun.



Kommentare:

  1. Ich lese sehr gerne in deinen Betrachtungen zu deiner Zeit in London. Du drückst das wirklich gut aus, macht Spaß, dir dabei zu folgen und ich freue mich schon auf die nächsten Beiträge. Hoffe da gibt's noch viele in der "Schreibline". :-) Liebe Grüße vom wilden Land in die nicht ganz so wilde oder anders wilde Großstadt.

    AntwortenLöschen
  2. Das Foto mit dem Mann im Regen gefällt mir sehr gut!
    Grüße
    Oona

    AntwortenLöschen